Bioökonomie: ‚Alles ist Rohstoff‘ – Reststoffe neu beleben
- bhoffmann

- 8. Feb.
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Nun ist mir eingängig, was mit vor der Veranstaltung eher abstrakt erschien: zirkuläre Bioökonomie. Das haben die Referenten bewirkt, die den Begriff mit Leben gefüllt haben, am 6. Februar bei dem Tag Zirkuläre Bioökonomie, Innovationsfelder für die Kreislauf und Wasserwirtschaft an der Hochschule Kaiserslautern. Von der Aufbereitung von biogenen Reststoffen war unter anderem die Rede, und deren erneute, auch innovative Verwendung. Möglicherweise kann im kostenintensiven Deutschland damit Geld eingespart werden, hieß es, möglicherweise unsere Abhängigkeit von Erdöl eingeschränkt.
Bioökonomie: ‚Das verwerten, was andere nicht verarbeiten können‘
Dabei sei hier in der Region, in Rheinland-Pfalz alles vorhanden, was ein biologisches Wirtschaften mit innovativen Entwicklungen ermöglicht: große Industrieunternehmen, eine ausgeprägte Forschungslandschaft. Mehr Koordination allerdings sei angebracht, ein besseres Matching von öffentlichen und privaten Geldern.
Organisiert hatten die Veranstaltung Ecoliance Rheinland-Pfalz und Zukunftsregion Westpfalz.
Rolf Schmitt, BHYO GmbH, brennt schon lange für sein Thema, und immer noch, das konnte man spüren: aus biogenen Reststoffen Wasserstoff herstellen. Dabei wird das Gemisch in Teile zerlegt, um die Stoffe überhaupt nutzen zu können. Zuerst wird gereinigt, dann getrennt. ‚Wir verwerten das, was andere nicht verwerten können.‘
Die Technik sei nie das Problem gewesen, berichtet Rolf Schmitt weiter. Ein steiniger Weg jedoch Genehmigung und Finanzierung. 2018 gestartet, ist nun die Testanlage in Speyer in Betrieb, die Pilotanlage kommt als Nächstes. Zugeschnitten sind die Anlagen auf die Versorgung von Kommunen, etwa einen Fuhrpark.
Ist das Papier oder muss das weg – in den Restmüll?
Nicht selten frage ich mich, ich bin wie die meisten Deutschen ein fleißige Mülltrennerin, was ich etwa mit einer kleinen Tüte aus Papier mache, auf der Etiketten aus Kunststoff kleben. Geht das noch als Papier durch?
Genau das erläuterte Tobias Gruben, ausgehend von CelluSep, einem Projekt des Bündnisses Waste2Value. Wie kann Zellulose in Verbundwerkstoffen genutzt werden? Wie von Kunststoffen und Metall getrennt?

‚Führt ein Unternehmen Papierbecher statt Plastik ein, dann kommt der Papierbecher in den Restabfall und wird verbrannt‘, so Tobias Gruben. Denn der nachhaltig anmutende Becher besteht nicht nur aus Papier, er ist versetzt mit Aluminium und Kunststoff. Das Verfahren, das derzeit erprobt wird, arbeitet mit ausgesuchten Pilzen. Dazu fällt mir ein: Pilze sind in vielerlei Hinsicht beliebt, als Baustoff, habe ich vor kurzem gelesen. Bei der Messe Formnext 2025 habe ich Pilze als Material für den 3D-Druck kennengelernt.
Leder und Wolle als Ausgangsstoff für die Bauindustrie
Prof. Gregor Grun, von der Hochschule Kaiserslautern berichtet von BioBrix, ein Projekt der Carl-Zeiss-Stiftung. Und bei der Präsentation habe ich Dinge erfahren, um die ich mir noch nie Gedanken gemacht hatte. Denn die Idee hinter dem Projekt: Es gibt viele Reststoffe, die schlecht wiederzuverwerten sind. Zum Beispiel Leder. Davon könnten nur 20 Prozent recycelt werden, dabei gebe es auf der Erde schätzungsweise 14 Megatonnen davon. Das Gleiche gelte für tierische Fasern wie Wolle.
Die biogenen Reststoffe könnten allerdings – extrahiert und modifiziert – als Ausgangsstoff für die Bauindustrie herhalten. Für weniger Zement im Beton – mittlerweile ist Zement, etwa wegen der enormen CO2-Emissionen bei der Herstellung, eh ein Reizthema geworden. Lehm könne optimiert werden, denn aktuell sind gepresste Lehmsteine (CEB) als Baustoff wieder gefragt.
Eine Algenforscherin sorgt für Anhaftung von Pflanzenschutzmitteln
Last not least stellte uns Dr. Eve Menger-Krug, GreenGlue vor. Einen grünen Kleber für nachhaltige Landwirtschaft. Wie das? - Der Kleber besteht aus Mikroalgen und die sorgen dafür, dass Pflanzenschutzmittel besser, stabiler anhaften. Verwendet werden organische Reststoffe wie Trester, der ja bekanntlich im Weinbau nach dem Keltern übrigbleibt. (Trester kenne ich auch, allerdings als Schnaps, etwa leckeren Riesling-Trester, aber das ist eine andere Verwendung :-)

Zum einen sorgen die Algen für Nachhaltigkeit, zum anderen sind sie effizient. ‚Die Mikroalgen haben eine fast 100-prozentig bessere Haftung, dadurch muss nicht immer wieder die Haftung ergänzt oder erneuert werden.‘ Das Personal spart sich Wege, der Betrieb Kosten.
Organische Reststoffe können ebenfalls mit Algen behandelt werden, als Vorstufe zum Kompostieren. Ein angenehmer Effekt: Die Mikroalgen halten die Masse geruchsfrei.
Möchtest du mehr erfahren über das Projekt, über Eve Menger-Krug? Hier das Video: Besuch bei der Algenforscherin.
Mittags ging es bei der Veranstaltung weiter mit Präsentationen etwa zu ‚Biopolymergewinnung aus Abwasser und Klärschlamm‘ oder ‚Spurenstoffelimination‘. Umwelttechnologie stand im Fokus. Da war ich leider nicht mehr anwesend.

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