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Praxis ‚California‘ – oder Anleitung zu einer Plantarfasziitis

Aktualisiert: 30. Dez. 2025

Seit Wochen taten mir die Füße weh. Konnte nur noch schlurfen, nicht gehen, nachts waren die Schmerzen auch bei Bewegungslosigkeit besonders schlimm. Die Bereitschaftsärztin, die ich zehn Tage nach Eintreten der Schmerzen aufsuchte, diagnostizierte eine Plantarfasziitis. Könne Wochen dauern! Sie schrieb mir Schmerztabletten und -salbe auf..


Die Entzündung der Sehnen rührte von einem Messebesuch, bei dem ich den ganzen Tag in engen Schuhen unterwegs war, und die Schmerzen ignoriert hatte. Ja, ja selbst schuld!


Das Schlimme, es waren nicht die einzigen körperlichen Schmerzen, die mir meinen Schlaf, meine Gleichmut und meine Energie nach und nach raubten (ich sage nur: Harninfekt). ‚Meinen‘ Orthopäden hatte ich angeschrieben. Die Praxis hat sich eine Woche später gemeldet, die Mitarbeiterin entschuldigte sich, krankheitsbedingte Ausfälle beim Personal. Doch der nächste Termin sei wirklich erst im kommenden Jahr möglich. Ich probierte es weiter – und eine Praxis meldete sich mit einem Vorschlag, ein paar Tage vor Weihnachten. Bis dahin schaffe ich es, sagte ich mir.


Kein Gang zu viel, fast jeder Weg zu weit


Habe sehnsüchtig den Tag erwartet und zwischenzeitlich alles, was mit unnötiger Belastung der Füße verbunden war, gecancelt: Sport, Autofahren, Termine. Außer meinem Unterricht an der VHS. Bin mit dem Bus hin und mit dem Taxi zurückgefahren.


Sitzende Person, Füße stehen auf Boden
Wann hört der Schmerz endlich auf. Quelle: Anemone 123 auf Pixabay

Wo ich sonst immer vor Ideen sprühe für Blogbeiträge, zumindest Linkedin-Posts – gähnende Leere in meinem Gehirn. Was aber wohl hauptsächlich meinem erheblichen Konsum an Schmerztabletten geschuldet war – und den schlaflosen Nächten.


Von dem Besuch in der orthopädischen Praxis hatte ich mir Erleichterung versprochen. Vielleicht eine Spritze, um die Entzündung einzudämmen. Die allerdings sehr weh tun würde, spann ich vor mich hin. Was man sich eben so an Gedanken macht.


Effiziente Abfertigung ohne Warteschlange


Als ich die Praxis betrat, fielen mir die beengten Verhältnisse auf. Am Empfang saß eine sehr resolut wirkende Dame, an die sechzig, dunkler Pagenschnitt, strenges, dünnlippiges Gesicht. Ich trat an den Tresen und wühlte in meiner Tasche, wobei ich schon hörte: ‚Kärtchen‘, ob mit ‚bitte‘ habe ich vergessen. Ich zog rasch meine Legitimation aus der Tasche, nannte meinen Namen und die Uhrzeit meines Termins. Sie verwies aufs Wartezimmer.


Hier saßen zu früher Stunde – es war erst kurz nach acht – bereits einige Patienten. Machte mich innerlich schon auf eine längere Wartezeit gefasst. Doch nach knapp einer halben Stunde erklang mein Name aus dem Flur. Eine blonde, gut gebaute Dame Anfang fünfzig begleitete mich in einen Behandlungsraum, stellte sich vor einen Bildschirm, während ich meine wehen Füße entblößte. Mit einem Affenzahn nahm sie die genannten Symptome auf, ohne mir die Frage zu ersparen, warum ich nicht in die behandelnde Praxis gegangen sei. Die Antwort hatte sie sich eh schon gedacht: kein Termin. Ich ergänzte entschuldigend, dass ich noch nicht lange in der Stadt wohne und auch bei dem anderen Ärzteteam erst ein einziges Mal gewesen sei.


Bitte schnelle Hilfe: Stoßwellentherapie


Nachdem die Anamnese in kürzester Zeit erledigt war, verließ sie den Raum: Ich solle warten. War ich vorher unsicher, so war mir jetzt klar, das war nicht die Ärztin gewesen, sondern eine sehr effiziente Mitarbeiterin, medizinische Fachangestellte. Nach einiger Zeit kam die Orthopädin. Eine sanftmütig, zurückhaltend wirkende Mitt- oder Endvierzigerin, dunkle Haare, hinten zusammengebunden. Ja, so was könne man sich überall holen, ob bei einer ausgedehnten Wandertour oder wie in meinem Fall bei einer Messe. Zudem, meine Füße zeigten Abnutzungserscheinungen – Senk-Spreizfuß. Was ich wisse, erwiderte ich, und schon lange Einlagen trage, mit denen meine Füße gut klarkämen ... nur eben das eine Mal nicht.


Nun meinte sie, es gebe etwas, was mir vielleicht gleich schon helfen könne: eine Stoßwellentherapie. Ein entsprechendes Plakat war mir bereits im Wartezimmer ins Auge gefallen, klar eine IGEL-Leistung. Daher fragte ich, was es koste: 60 Euro war die Antwort. Nun, dachte ich, einen Versuch ist es wert, meine Schmerzen loszuwerden.


Stoß als Therapie und Druck als Entscheidungshilfe


Nun machte ich mich auf in einen anderen Behandlungsraum. Die tüchtige Mitarbeiterin, die nun wieder für mich zuständig war, klärte mich unmittelbar auf: 60 Euro für jeden Fuß. - Aha! Und welchen Fuß ich denn nun behandelt haben wolle. Oder beide? Ich solle entscheiden. Ääh, so auf die Schnelle, ich fühlte mich enorm unter Druck gesetzt. Rekapitulierte, dass ein Fuß mich auch nicht weiterbringen würde. Und entschied mich dafür, die teure Variante zu wählen.


Ich musste mich bäuchlings auf eine Pritsche legen. ‚Das ist jetzt laut und nicht angenehm.‘ Das Laute hat sie wohl gesagt, damit ich meinen Mund halte. Das ‚nicht angenehm‘ entpuppte sich als nervtötend schmerzend: wie tausend Nadelstiche oder elektrische Ströme. Mit dem einen Fuß war sie in zwei Minuten fertig, der andere dauerte, glaube ich, nur eine Minute. Ich stöhnte und entschuldigte mich dafür. Wollte reden, um es für mich erträglicher zu machen, doch sie verwies auf die Lautstärke.


Tausend Nadeln und hoffen auf Besserung


Die Ärztin kam wieder dazu. Sah mich mitfühlend an. Möglich, dass das eine Mal nicht reiche, in der Regel bedürfe es einer zweiten und dritten Sitzung – ich überschlug schon mal die Kosten: 360 Euro! Bei manchen Patienten wirke eine Dosis auch unmittelbar, bei anderen gar nicht. Ich kann nicht behaupten, dass man mir eine Information unterschlagen hätte. Die Fachangestellte nahm gleich mal meine Fußabdrücke auf, damit könne ich dann zum orthopädischen Fachbetrieb wegen der Einlagen. Die Ärztin wünschte mir trotz allem schöne Feiertage und war wieder weg.


Nur Bares ist Wahres und schnell mal zur Bank


Als ich wieder im engen Flur angelangt war, befürchtete ich bereits, dass ich gleich löhnen müsse. Die streng dreinblickende Dame an der Anmeldung erwartete mich bereits. Als ich meine EC-Kärtchen zückte, hieß es jedoch: 'Nur Bargeld.' Mit vorwurfsvoller Stimme meinte sie: ‚Das ist viel zu teuer, das müssten wir dann den Patienten weiterreichen. Laufen Sie schnell zur Bank.‘


Nun, schnell laufen war in meinem Fall nicht so ganz die Parole. Also schlurfte ich nach unten und suchte die nächstgelegene Bank. War nicht so weit. Als ich zurückkam, offenbarte nämliche Dame mir: ‚Eine Quittung bekommen Sie nicht. Erst nach dem dritten Mal.‘ Aha, und wenn es kein weiteres Mal gibt? – ‚Das sehen wir dann.‘ Sie machte mir einen Termin für Januar.


Praxis ‚California' oder Anleitung zu einer Plantarfasziitis


Als ich rauskam aus der Praxis, war ich irgendwie erleichtert, musste mich erst mal schütteln. Was war das, was ich gerade erlebt hatte? Ein Kuriositätenkabinett?


Später, wieder zu Hause angelangt. - Mit erheblichen Schmerzen. Keine Rede von Spontanheilung. - Da musste ich an die Eagles denken, an ‘Hotel California’: ‘This could be heaven, this could be hell. … We are all just prisoners here of our own device.’ Die Melodie klingt mir immer noch in den Ohren.


Verkommenes Haus, gruselige Atmosphäre
Hotel California: Meiner Fantasie freien Lauf gelassen. Quelle: Peter H auf Pixabay

Habe mal kurz recherchiert zu Stoßwellentherapie. Es heißt, die sei durchaus hilfreich. Die Preise liegen zwischen 30 und 200 Euro pro Sitzung. laut KI-Zusammenfassung. Ebenfalls im Rahmen (weiß nur nicht, ob für ein oder zwei Füße). Warum fühle ich mich dennoch schlecht behandelt und abgezockt?


Erfahren habe ich bei der Recherche, dass auch manche Physiotherapeuten damit arbeiten. Hörte sich nach mehr Zeitaufwand an. Werde sehen, ob ich in der Stadt eine Praxis finden kann.


Mittlerweile sind die Füße etwas beweglicher geworden, ich mache Übungen, die ich mir von ChatGPT habe vorschlagen lassen: Waden dehnen, mit Faszienball Fußsohlen sanft massieren, habe angefangen mit Short Foot, einer speziellen Übung, die ich noch lernen muss. Ansonsten creme ich fleißig ein mit Schmerzsalbe und beschränke mich auf eine Tablette abends, zur Sicherheit.


Und ein klein wenig kehre ich zu den Lebenden zurück - etwa mit dieser Anleitung Plantarfasziitis als Glosse.

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